Périnet

Siebzehnten bis neunzehnten Jahrhunderts.

Ende des 17. Jahrhunderts wurden die ersten Trompes von Kupferschmieden gefertigt, die neben alltäglichen Utensilien aus Kupfer auch Trompeten, Pauken und Becken bauten. Zu den ältesten Herstellern von Trompes gehören Namen wie Crétien (oder Crestien oder Chretien), Le Brun und vor allem Raoux, der bis ins 19. Jahrhundert vier Generationen lang erscheint.

Etienne-François Périnet

Image de tapisserie

Beim Letzten, Auguste Raoux, freundet sich in den 1820er Jahren ein junger Arbeiter aus Savoyen mit dem Beruf an. Etienne-François Périnet – denn er ist es – lernt schnell: Er ist nicht nur handwerklich geschickt, er besitzt auch eine unersättliche Neugier und ein immer waches Auge. Bei Raoux wird alles Mögliche gebaut, aber er interessiert sich besonders für die neuerdings in Deutschland erschienenen Ventilinstrumente, die technisch noch in den Kinderschuhen stecken. 1829 hat François Périnet (der nur noch seinen zweiten Vornamen benutzt) die Idee, dem bisher zweiventiligen Kornett ein drittes hinzuzufügen und gibt so dem Instrument im tiefen Bereich eine komplette Tonleiter. Um diese Neuerung besser für sich zu nutzen, macht er sich selbständig.

Ab jetzt wird eine Erfindung auf die andere folgen. 1834 entwickelt er das Kornett,  das wir heute noch in dieser Form kennen. 1838 baut er ein Ventil mit versetzten Öffnungen, das  leistungsfähiger ist als seine Vorgänger: Unter dem Namen „Périnetventil“ wird es noch heute in der Trompete und manchen Hörnern benutzt. Im Jahr 1841 baut er ein „Piston-basse“, ein großes Instrument mit vier Ventilen, Vorfahre unserer heutigen Tuba…

Adolphe Sax

Image Adolphe Sax

Périnet hat aber in der Person  von Adolphe Sax einen starken Konkurrenten. Instrumentenbauer belgischer Herkunft, Erfinder des Saxophons und der Familie der Saxhörner (alto, basse, tuba usw.) ist Sax nicht nur ein einfallsreicher Schöpfer, sondern weiß auch solide mit Geld umzugehen und clever zu verhandeln. 1845 schafft er es, der exclusive Blasinstrumentenlieferant für die Armee, die Marine und die öffentlichen Theater zu werden. Der Markt ist riesig und Sax´ Instrumente profitieren so von einer öffentlichen Anerkennung, die die Anderen an den Rand drängt.

Das ist ein harter Schlag für Périnet. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Raoux und drei anderen Instrumentenmachern bildet er ein Komittee, um diesen Mißstand anzuzeigen. Der Brief, den sie an den Kriegsminister senden, bleibt ohne Ergebnis. Raoux stürzt sich in lange und teure Kämpfe gegen Sax, die dennoch erfolglos bleiben, und ihn dazu zwingen, 1857 sein Unternehmen zu verkaufen. François Périnet aber gibt die Ventilinstrumente, die er deutlich verbessert hat, auf und wendet sich ausschließlich der Trompe de chasse zu. Wie früher technisch immer an der Spitze, hat er auch hier vor, der Beste zu werden.

Die erste Formationen

Illustration femme sonneur premières sociétés de trompe de chasse

Sicher erahnt er die tiefgreifende Änderung, die die Trompe Ende der 1840er Jahre erfährt. Seit dem Ursprung wird nur allein oder mit zwei Trompes gespielt und das Instrument ist nicht für einen lauten Klang gebaut. Mit dem Erscheinen der Bassstimme im Jahre 1848 wird es möglich, Trios oder gar größere Formationen zu bilden. Zu dieser Zeit werden die ersten Trompe-Gesellschaften gebildet und man beginnt, in der Gruppe zu blasen, denn es paßt zum Zeitgeist.

Die Welle der Romantik, die seit zwei Jahrzehnten alle Bereiche erfaßt, bringt eine gewisse Vorliebe fürs Übermaß mit sich: in der Musik steht man auf starke Klangeffekte (die zeitgenössischen Kritiker sprechen sogar von „Lärm“). Alles was dazu beitragen kann, ist natürlich sehr beliebt , und so auch die Trompe.

Obwohl diese Entwicklung erst im Werden ist, versteht sie François Périnet und seine Leistung ist es, sie zu begleiten, indem er nochmal im Instrumentenbau Erneuerungen einführt. Seit seinen Versuchen am Kornett oder an der Basse beherrscht er die technischen Feinheiten des Berufs. Er weiß Ansatz, Stimmung, Klang oder Lautstärke zu bearbeiten, um ein möglichst perfektes Instrument zu bauen. Gerade die Lautstärke scheint ihm der Schwachpunkt der damaligen Trompe zu sein. Man soll sich nur eine Gruppe vorstellen, die über lautere Instrumente verfügt…

Er weiß genau, dass die Lösung  hauptsächlich in der Form des Schallstücks steckt. Der Rand des existierenden Schallstücks, das seit seinem Ursprung kaum verändert wurde, ist ziemlich flach und hat einen eher engen Konus (s.Seite 8) mit einer abrupten Schweifung. Der weiche Klang kann im forte  brilliant sein; ihm fehlt allerdings die Größe.

Das neue Modell wird nachgebaut

Photo veneur à cheval

Um ihm dies zu verleihen, muss man den Konus erweitern, was das gesamte Gleichgewicht der Stimmung verändert und dazu führt, dass technisch auch vieles andere wieder angepasst werden muss. Es ist eine langatmige Arbeit, die viel Geduld erfordert. François Périnet wird etliche Jahre – bis 1858 –  brauchen, um ein Schallstückprofil zu entwickeln, das genug Lautstärke bei reinem Ton bietet, ohne dafür den wesentlichen Aspekten des Instrumentes zu schaden. Es wird schließlich ein großer Erfolg und so wird das neue Modell rasch nachgebaut und ersetzt alle bisherigen. Bis heute bleibt es das Standardmodell der Trompe.

Auch wenn Périnet seine ersten Erfindungen hat patentieren lassen, sah er für das, was er als reine Verbesserung betrachtete, keine Patentnotwendigkeit. So muss er jetzt um seinen Platz kämpfen und sucht sich einen Gesellschafter, um das Geschäft finanziell voranzutreiben. 1859 ist es soweit: Der Markenname wird  zu „François Périnet, Pettex-Muffat & Cie“ und die Werkstatt zieht von Paris nach Passy in größere Gebäude um. Im darauffolgenden Jahr erscheint bei Pettex-Muffat der von Garnier entworfene und berühmte Schallstückkranz als Relief.

Aller Wahrscheinlichkeit nach stirbt François Périnet 1862 oder 63. Seine Nachfolger bringen die Herstellung wieder nach Paris zurück. Die Tradition der Qualität, die er eingeführt hatte, werden sie treu beibehalten und seinen Markennamen als Zeichen der Exzellenz weiterführen. Noch heute  reicht es ja, den Namen „Périnet“ zu hören, um sofort an „Trompe“ zu denken!

Gibt es ein Perinet-Geheimnis?

Photo procédés de fabrication

Die Herstellungsverfahren sind im Großen und Ganzen bekannt und die modernen Errungenschaften haben sich in vielen Fällen bewährt. Das Außergewöhnliche entsteht erst  in andauernder Entwicklung und perfekter Montage, die ohne Handwerkskunst nicht zu  denken ist. Die aktuelle Produktpalette von Périnet hält also ein subtiles Gleichgewicht zwischen einer unersetzlichen soliden Arbeitspraxis und einem genauso wichtigen Beherrschen aktuellster Spitzentechnik. Wenn es ein Geheimnis gibt, so ist es eher in einer immerwährenden Willenskraft zur Weiterentwicklung zu suchen, was diese Marke seit dem Ursprung auszeichnet. Jede Périnet-Trompe ist einzigartig und hat daher eine eigene Serienummer.

Yannick Bureau ist der Nachfolger des Hauses Périnet

photo de Yannick Bureau

Seit 1994 besteht seine Aufgabe darin, wie sein Onkel Michel BUREAU vor ihm, sowohl Entwicklung als auch Herstellung sicherzustellen. Er hat die Périnet-Akademie in der „Maison de la Chasse et de la Nature“ in Paris ins Leben gerufen und leitet diese mit seinem pädagogischen Team. Dafür besitzt er die besten Lern- und Übetechniken für das Instrument, was ihm ermöglicht, Jäger und Bläser bei Instrumenten- und Mundstückauswahl zu beraten.